Gehaltsoptimierung – 5 Tipps für Mehr Netto vom Brutto

Verfasst von:

Christian

Letztes Update:

05.08.2022

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Wie schön es doch wäre, wenn auch nur annähernd der Betrag auf dem Konto landen würde, der als Bruttogehalt auf der Lohnabrechnung steht. In kaum einem Land müssen Arbeitnehmer so hohe Steuern und Sozialversicherungsabgaben zahlen wie in Deutschland. 2021 musste ein Single mit Durchschnittsverdienst fast 48% seines Gehalts an den Fiskus abführen. Im OECD-Vergleich liegen wir damit deutlich über dem Durchschnitt von knapp 35%. Das eigene Gehalt zu optimieren kann sich bei den hohen Steuersätzen in Deutschland für euch richtig lohnen. Wir zeigen euch 5 Tipps, wie ihr euch von eurem Bruttogehalt in Zukunft mehr leisten könnt.

Deutschland gehört mit Slowenien, Luxemburg, den Niederlanden, Ungarn, Österreich, Italien, Belgien und Frankreich zu den Hochsteuerländern.

 

1. Betriebliche Altersvorsorge vereinbaren

Dieser Tipp nutzt euch zwar nicht viel, um kurzfristig mehr Geld auf dem Konto zu haben, dafür aber legt ihr auf diese Weise Geld fürs Alter zurück und könnt dabei auch noch Steuern sparen. Die betriebliche Altersvorsorge erfolgt grundsätzlich über den Arbeitgeber. Was viele jedoch nicht wissen, ist, dass jeder Arbeitnehmer einen gesetzlichen Anspruch auf betriebliche Altersvorsorge besitzt. Jeden Monat zahlt der Arbeitgeber einen Teil eures Bruttogehalts in einen betrieblichen Altersvorsorgevertrag ein.

Je nach Betrieb übernimmt der Arbeitgeber diesen Betrag sogar teilweise oder auch ganz. Ihr könnt die Höhe der Zahlungen zusätzlich aufstocken lassen, indem ihr auf einen Teil eures Bruttogehalts verzichtet (Entgeltumwandlung). Dies hat einige Vorteile, da ihr einerseits weniger Bruttogehalt erhaltet und daher weniger Steuern zahlen müsst und andererseits der Arbeitgeber seit 2019 dazu verpflichtet ist, eure betriebliche Vorsorge mit mindestens 15% des umgewandelten Entgelts zu bezuschussen.

Erst bei Renteneintritt und bei Auszahlung des betrieblichen Altersvorsorgevertrags müsst ihr das angesparte Vermögen versteuern. Als Rentner ist euer Steuersatz aber in der Regel deutlich niedriger. Durch die Steuervorteile während der Ansparphase und die Bezuschussung durch den Arbeitgeber, bezahlt ihr für beispielsweise 40€, die ihr monatlich fürs Alter zurücklegt, letztendlich nur knapp die Hälfte. Wie genau die Verträge zur betrieblichen Altersvorsorge aufgebaut sind, erfahrt ihr in unserem Artikel zum Thema Altersvorsorge.

Wer eine betriebliche Altersvorsorge abschließt, legt nicht nur Geld für die Rente zurück, sondern sichert sich auch Steuervorteile.

 

2. Krankenkassen vergleichen

Mit einer günstigen Krankenkasse könnt ihr im Jahr einige Hundert Euro sparen. Es lohnt sich also, die Angebote verschiedener Krankenkassen miteinander zu vergleichen. Häufig erhaltet ihr sogar Prämien oder Auszahlungen, wenn ihr lange Zeit keine Leistungen der Krankenkasse in Anspruch nehmt. Grundsätzlich unterscheiden sich die meisten Krankenkasse nicht in ihrem Leistungsumfang, sondern lediglich bei speziellen Sonderfällen. 95% der Leistungen aller Krankenkassen sind identisch. Ein besonders günstiger Anbieter muss daher nicht automatisch auch ein schlechteres Angebot bieten.

Der Wechsel zu einer neuen Krankenkasse läuft relativ einfach ab. Seid ihr bereits über 1 Jahr bei eurer alten Krankenversicherung, könnt ihr jederzeit zum Monatsende mit einer Kündigungsfrist von 2 Monaten kündigen. Den Papierkram und die Verständigung mit der alten Krankenkasse übernimmt in der Regel die neue Krankenkasse für euch. Ein Sonderkündigungsrecht, auch wenn ihr noch keine 12 Monate bei einer Krankenkasse eingeschrieben seid, besteht immer dann, wenn eure Beiträge erhöht werden oder ihr den Arbeitgeber wechselt.

Eine Krankenkasse mit gutem Preis- Leistungsverhältnis kann euch mehrere Hundert Euro pro Jahr einsparen.

 

3. Geldwerte Vorteile anstatt Gehaltserhöhung

Wenn ihr durch eine Gehaltserhöhung mehr Geld verdient, erhöht sich auch immer euer Lohnsteuersatz und die Höhe eurer Sozialabgaben. Von der Summe, die ihr Brutto mehr verdient, bleibt also relativ gesehen weniger übrig als vor der Gehaltserhöhung. Dies könnt ihr jedoch umgehen, indem ihr anstatt einer Gehaltserhöhung anderweitige Sachleistungen oder steuerfreie Zuschüsse mit eurem Chef vereinbart. Dadurch bleiben euer Bruttogehalt und eure Steuersätze niedriger und ihr könnt an anderen Stellen Kosten einsparen.

Beispielsweise könnt ihr einen Zuschuss für die Kinderbetreuung beantragen, Gutscheine für Bücher, Essen oder Benzin oder ein Jobticket im Wert von bis zu 44€ pro Monat. Seid ihr für den Job in eine andere Stadt gezogen, könnt ihr ebenfalls einen Zuschuss für die Miete oder für den Fahrtweg zur Arbeit beantragen. Vielleicht könnt ihr euren Chef auch dazu überreden, euch einen Firmenwagen oder einen Computer zur Verfügung zu stellen, den ihr auch privat nutzen könnt. Außerdem lassen sich bis zu 500€ im Jahr für Gesundheitskurse, Rückentraining oder Anti-Stress-Kurse vom Arbeitgeber beziehen.

Dies sind nur einige von vielen Möglichkeiten, auf die man sich anstatt einer Gehaltserhöhung einigen kann. Für euren Arbeitgeber lohnt sich das auch. Viele dieser geldwerten Vorteile führen auch für das Unternehmen zu Steuervorteilen. Dadurch habt ihr gute Argumente für das nächste Gehaltsgespräch. Weitere Tipps zur Gehaltsverhandlung findet ihr in unserem Artikel: Gehaltsverhandlung – Mit 7 Tipps zum Wunschgehalt.

 

4. Steuersatz reduzieren

Anstatt am eigenen Bruttogehalt zu schrauben, könnt ihr stattdessen versuchen, euren persönlichen Steuersatz zu reduzieren. Seid ihr beispielsweise verheiratet oder lebt in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft, habt ihr die Möglichkeit, euch nach Steuerklasse III/V anstatt IV/IV besteuern zu lassen. Das lohnt sich vor allem dann, wenn einer der Partner deutlich mehr als der andere verdient. Denkt daran, dass ihr bei einem Wechsel der Steuerklasse automatisch dazu verpflichtet seid, im nächsten Jahr eine Steuererklärung abzugeben.

Eine weitere Möglichkeit, die eigene Steuerbelastung zu senken, ist aus der Kirche auszutreten, um keine Kirchensteuer zahlen zu müssen. In Bayern und Baden-Württemberg beträgt die Kirchensteuer 9% der Lohnsteuer, in allen anderen Bundesländern liegt sie bei 8%. Der Austritt lohnt sich also finanziell umso mehr, je höher der eigene Lohnsteuersatz ist. Bei einem Bruttoverdienst von 2000€ im Monat beträgt die Kirchensteuer gerade einmal 15€. Bei 5000€ sind es bereits fast 90€ pro Monat.

Wenn ihr diese Kosten einsparen wollt, solltet ihr aber bedenken, dass Trauungen und Taufen nicht mehr kostenfrei möglich sind, wenn keiner der Partner Kirchenmitglied ist. Außerdem haben Kirchenmitglieder Vorteile, wenn man auf der Suche nach einem Kindergartenplatz oder einer kirchlichen Schule für sein Kind ist. In Einrichtungen, die von den Kirchen getragen werden, gilt zudem ein besonderes Arbeitsrecht, nach dem Kirchenmitglieder bevorzugt bei der Vergabe von Arbeitsplätzen berücksichtigt werden. Die Entscheidung, ob ihr aus der Kirche austreten wollt, solltet ihr euch daher gut überlegen.

Da die Kirchensteuer von eurem Lohnsteuersatz abhängig ist, macht sich diese besonders bei einem hohen Einkommen bemerkbar.

 

5. Steuererklärung machen

Als Arbeitnehmer seid ihr in den meisten Fällen von der Pflicht befreit, eine Einkommenssteuererklärung abzugeben, da der Arbeitgeber die Lohnsteuer direkt von eurem Bruttogehalt abführt. Wenn ihr sichergehen wollt, ob ihr wirklich keine Steuererklärung einreichen müsst, solltet ihr prüfen, ob auf euch einer der Ausnahmefälle zutrifft, die in unserem Artikel Steuererklärung – Fragen, Fristen, Fakten behandelt werden.

Auch wenn ihr nicht dazu verpflichtet seid, eine Steuererklärung zu machen, solltet ihr euch trotzdem einen Tag Zeit nehmen, um die nötigen Formulare auszufüllen. Dank vieler Pauschalen, die ihr in vollem Maße angeben könnt, ohne dafür Belege einzureichen, lohnt sich die Steuererklärung häufig auch, wenn man gar nicht damit rechnet. Über 1000€ erhielten Menschen durchschnittlich zurück, die in den letzten Jahren freiwillig eine Steuererklärung beim Finanzamt abgegeben haben. Heutzutage könnt ihr die Steuererklärung auch elektronisch ausfüllen und einreichen. Dafür lohnt sich Steuersoftware, die euch bei der Eingabe unterstützt, eure Angaben auf Fehler überprüft und euch zudem einige Tipps gibt, mit denen ihr zusätzliche Steuern sparen könnt. Welche Programme sich am meisten lohnen und welche weiteren Gründe dafürsprechen, eine Steuererklärung freiwillig einzureichen, findet ihr in unserem Artikel: Steuererklärung – Warum sich der Aufwand lohnt.

 

Fazit

Ihr habt grundsätzlich zwei Möglichkeiten, um weniger Abgaben und Steuern zahlen zu müssen: Entweder ihr reduziert eure Kosten und euren Steuersatz, oder ihr senkt euer zu versteuerndes Einkommen. Letzteres könnt ihr dadurch erreichen, indem ihr einen betrieblichen Altersvorsorge Vertrag einrichtet, beziehungsweise einen bestehenden Vertrag aufstockt, oder aber auf eine Gehaltserhöhung verzichtet und dafür geldwerte Vorteile mit eurem Vorgesetzten vereinbart. So könnt ihr euer Bruttogehalt senken und müsst dadurch eventuell einen günstigeren Einkommenssteuersatz bezahlen. 

Eure Abgaben könnt ihr weiter reduzieren, wenn ihr in eine günstigere Krankenkasse wechselt, die Möglichkeit habt eine andere Steuerklasse zu beantragen, oder aber aus der Kirche austretet. In den meisten Fällen könnt ihr zudem einen Teil der gezahlten Steuern über die Abgabe einer Steuererklärung zurückholen.

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Finanzdenker Quiz - Gehaltsoptimierung

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Ein Single mit Durchschnittsverdienst musste 2021…

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Wer in den letzten Jahren freiwillig eine Steuererklärung beim Finanzamt eingereicht hat, …

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Durch Steuervorteile und die Bezuschussung durch den Arbeitgeber, müsst ihr in der Ansparphase für jeden Euro, den ihr später durch die betriebliche Altersvorsorge erhaltet…

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Die Kirchensteuer…

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