Ordertypen und Orderzusätze – Hilfsmittel für den Wertpapierhandel

Verfasst von:

Christian

Letztes Update:

12.07.2022

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Wer an den Finanzmärkten effizient mit Wertpapieren handeln möchte, kommt nicht darum herum, sich mit den verschiedenen Ordertypen und Orderzusätzen zu beschäftigen. Möchte man nämlich über seinen Broker eine Kaufs- oder Verkaufsorder ausführen lassen, gibt es mehrere Möglichkeiten, wie diese abgewickelt werden kann. Einfach nur auf „Kaufen“ oder „Verkaufen“ zu klicken, wirkt sich häufig nachteilig aus, da man entweder zu teuer kauft oder zu günstig verkauft. Durch die Wahl des richtigen Ordertyps könnt ihr sogar Vorteile erzielen, indem ihr euch eine Menge Arbeit und Zeit erspart. Darüber hinaus könnt ihr euch auch über Orderzusätze in gewissen Maßen gegen Verluste absichern. Nicht jeder Broker bietet sämtliche Ordertypen an und manche von ihnen verlangen dafür hohe Gebühren. Diesen Umstand solltet ihr bei der Wahl eures Brokers ebenfalls berücksichtigen. 

 

Das sind die wichtigsten Orderzusätze

Markt Order/Market Order

Die Market Order ist der einfachste und am häufigsten verwendete Orderzusatz. Hier spielt der Preis des Wertpapiers eine untergeordnete Rolle. Stattdessen steht der Handel zum schnellstmöglichen Zeitpunkt im Vordergrund. Euer Kaufs- oder Verkaufsauftrag wird während der Handelszeiten zum nächsten verfügbaren Preis ausgeführt. Ihr kauft also entweder zum nächstmöglichen billigsten Preis das gewünschte Wertpapier oder verkauft euer Wertpapier zum derzeit bestmöglichen Preis an der Börse. Euer Auftrag wird also zum schnellstmöglichen Zeitpunkt zum dann geltenden Marktpreis ausgeführt. Diese Art von Orderzusatz eignet sich, wenn man besonders schnell den Kauf oder Verkauf durchführen möchte, weil man erwartet, später nur noch schlechtere Preise erzielen zu können.

Bestimmte Kurswerte oder Schwellen spielen bei einer Market Order keine Rolle. Es geht lediglich um die schnellstmögliche Ausführung eures Auftrags.

 

Limit Order

Mit einer Limit Order könnt ihr eine Grenze für euren Kaufs- oder Verkaufspreis festlegen. Ihr entscheidet euch also für ein Kursniveau, dass besser als der aktuelle Preis am Markt ist. Möchtet ihr ein Wertpapier kaufen, legt ihr die Höchstgrenze fest, zu der ihr das Wertpapier erwerben möchtet. Liegt beispielsweise der Preis einer Aktie derzeit bei 20€, könnt ihr festlegen, dass ihr die Aktie automatisch erwerbt, sobald der Kurs unter 18€ fällt. Beim Verkaufsauftrag verhält es sich genau umgekehrt: Hier legt ihr fest, zu welchem Preis ihr bereit seid, euer Wertpapier zu verkaufen.

Der Vorteil einer Limit Order besteht darin, dass man vorher festlegt, zu welchem Preis man dazu bereit ist, zu kaufen oder zu verkaufen, und sich dadurch gegen kurzfristige Preisschwankungen absichert. Ihr kauft also nicht zu teuer ein oder verkauft zu günstig. Außerdem können euch Limit Orders dabei unterstützen, nicht zu gierig zu werden. Erreicht der Kurs euer festgelegtes Limit, wird euer Wertpapier automatisch verkauft und ihr realisiert sofort den Gewinn, anstatt das Wertpapier in der Hoffnung auf noch höhere Gewinne zu lange zu halten.

Der Nachteil einer Limit Order ist jedoch, dass man schnell den Überblick verlieren kann, wenn eine Limit Order nicht innerhalb der nächsten Tage ausgeführt wird, da die festgelegten Grenzen nicht überschritten wurden. Es kann also auch der Fall eintreten, dass eine Limit Order mit einer Laufzeit von einem Monat (abhängig vom jeweiligen Broker) gar nicht ausgeführt wird.

Bei der Limit Order legt ihr im Vorfeld eine Grenze fest, zu der ihr das Wertpapier höchstens kaufen, beziehungsweise mindestens verkaufen wollt.

 

Stop Order

Eine Stop Order ist ähnlich wie eine Limit Order, nur dass man, anstatt einen Preis festzulegen, der oberhalb des aktuellen Marktwerts liegt, eine Grenze bestimmt, die unterhalb liegt. Ihr kauft also zu einem Preis oberhalb des aktuellen Marktpreises oder verkauft eure Wertpapiere, wenn der Kurs unterhalb des aktuellen Niveaus liegt. Das hört sich zunächst widersprüchlich an, da es ja in jedem Fall klüger wäre, zum jetzigen Zeitpunkt zu kaufen oder zu verkaufen, wo der Preis für euch noch besser wäre. Stop Order unterstützen euch vor allem dabei, wenn ihr langfristige Strategien verfolgt.

Dazu zwei Beispiele:

Ein Kaufauftrag mit Stop Order wird auch als Stop-Buy-Order oder Start-Buy-Order bezeichnet. Beobachtet ihr beispielsweise einen Pharmahersteller, der an einem neuen Medikament arbeitet, kann es sein, dass dessen Aktienkurs schlagartig in die Höhe schießt, sobald Erfolge beim Medikament erzielt werden. Ist dies jedoch nicht der Fall, bleibt der Kurs wahrscheinlich auf einem konstanten Niveau oder fällt sogar. Anstatt nun also die Aktie des Pharmaherstellers für einen Preis von 100€ zu kaufen, gebt ihr eine Stop-Buy-Order für 110€ auf. Gibt es keine Erfolge beim Medikament, bleibt der Kurs um die 100€ und ihr kauft die Aktie nicht. Gibt es jedoch Erfolge und der Kurs geht durch die Decke, wird automatisch für euch eine Kauforder erstellt, sobald der Kurs 110€ erreicht. Ihr kauft also die Aktie automatisch ein, wenn der Aufwärtstrend einsetzt und müsst dadurch nicht selbst die Aktie und die Nachrichten zum Unternehmen konstant überwachen, um zu denjenigen zu gehören die rechtzeitig eingestiegen sind.

Ein Verkaufsauftrag mit Stop Order wir auch als Stop-Loss-Order bezeichnet. Mit einer Stop-Loss-Order könnt ihr euch vor hohen Verlusten absichern. Kommt es beispielsweise zu einer Wirtschaftskrise oder einem Kurseinsturz, wird für euer Wertpapier bei Erreichen des vorher festgelegten Niveaus automatisch ein Verkaufsauftrag platziert. Ereignet sich die Krise nämlich, während ihr einen Tag lang nicht euer Depot überwacht, könnte es für den Verkauf schon zu spät sein und ihr realisiert hohe Verluste. Ihr könnt die Stop Order jedoch nicht nur dafür verwenden, um eure Verluste zu begrenzen, sondern auch, um mit euren Wertpapieren konstante Gewinne zu erzielen. Immer wenn der Kurs eurer Wertpapiere ansteigt, führt ihr eine neue Stop-Loss-Order durch, dessen Grenze knapp unter dem neuen Kurs liegt. Fällt der Kurs, seid ihr so noch rechtzeitig ausgestiegen, um einen Gewinn gemacht zu haben. Steigt der Kurs weiter an, erhöht ihr auch dementsprechend die Stop-Loss Grenze.

Genau wie bei der Limit Order, gibt es auch bei der Stop Order ein ähnliches Problem: Man kann schnell den Überblick verlieren, wenn die Order für einen längeren Zeitraum nicht ausgeführt wurde. Eventuell vergisst man, dass man die Order noch aufgegeben hat, oder, eine neue Order einzurichten, wenn die Order ihre Gültigkeit verloren hat. Ihr solltet zudem bedenken, dass ihr nicht genau den von euch festgelegten Stop Preis bekommt, sondern dass lediglich beim Erreichen des Preises eure Kaufs- oder Verkaufsorder automatisch ins Orderbuch übernommen wird. Euer Auftrag wird daher erst zum nächsten Preis ausgeführt, der sich an der Börse bildet. Bei extremen Kursanstiegen oder Kursrutschen kann dieser Preis auch deutlich von eurer Stop Grenze abweichen.

Eine Stop Order ist nützlich, wenn ihr den Markt nicht ständig überwachen wollt, um den idealen Kaufs- oder Verkaufszeitpunkt zu identifizieren.

 

Stop-Limit Order

Wie der Name schon vermuten lässt, handelt es sich um eine Kombination aus Stop Order und Limit Order. Durch eine Stop-Limit Order kann man einen möglichen Nachteil der Stop Order ausgleichen, nämlich das bei rasanten Kursschwankungen mit einer Stop Order der Auftrag in jedem Fall ausgeführt wird, egal wie stark der Preis angestiegen oder gesunken ist.

Nehmen wir noch einmal das Beispiel des Pharmaherstellers: Platzieren wir eine reine Stop Order für einen Kurs ab 110€, kann es sein, dass der Aktienkurs von 100€ direkt auf 200€ springt. Die Stop Order kauft also nicht für 110€ die Aktie, sondern für 200€, da dies der nächste Preis ist, der sich an der Börse gebildet hat. Vielleicht ist man aber gar nicht dazu bereit, so viel Geld für die Aktie auszugeben.

Hätte man in diesem Fall eine Stop-Limit Order erteilt, erhält man eine zusätzliche Gestaltungsmöglichkeit. Die Order ist zunächst eine Stop Order, die aktiv wird, sobald der Kurs 110€ erreicht. Bei Erreichen des Stop Preises wandelt sich die Order automatisch in eine Limit Order um. Habt ihr vorher ein Limit von 140€ festgelegt, würde die Aktie nur erworben werden, wenn der Preis, den ihr tatsächlich bezahlen müsst, zwischen 110€ und 140€ liegt. Steigt der Kurs aber sofort auf 200€, würde die Aktie nicht sofort erworben werden, sondern erst wieder, wenn der Preis unter 140€ liegt. Man nutzt eine Stop-Limit Order also dann, wenn man von einem Aufwärtstrend profitieren möchte, aber nicht um jeden Preis.

Bei einem Verkaufsauftrag mit Stop-Limit Order wird die Order aktiv, sobald der Kurs meine Stop Grenze unterschritten hat. Der Verkauf wird anschließend aber nur durchgeführt, wenn er oberhalb meiner Limit Grenze liegt. Dadurch verkaufe ich nicht automatisch mein Wertpapier, wenn der Kurs ins Bodenlose fällt. Stop-Limit Order werden also immer dann nicht ausgeführt, wenn der Kurs seit der Erteilung der Order sowohl die Stop Grenze als auch die Limit Grenze überspringt.

Teste dein Wissen in unserem Finanzdenker Quiz!

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Finanzdenker Quiz - Orderzusätze

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Welche Aussage zu Orderzusätzen ist zutreffend?

2 / 5

Bei der Market Order…

3 / 5

Welches Merkmal trifft auf die Limit Order zu?

4 / 5

Ihr habt keine Zeit den Markt ständig zu überwachen, aber möchtet eure Wertpapiere in jedem Fall verkaufen, sobald ein Kurssturz einsetzt. Welcher Orderzusatz bietet sich für diese Situation an?

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Ihr überlegt, in einen Pharmahersteller zu investieren, dessen Kurs in nächster Zeit durch die Decke gehen könnte. Ihr wollt den Markt nicht ständig überwachen, aber automatisch einsteigen, wenn die Aktie stark ansteigt. Ihr seid aber nicht dazu bereit, die Aktie für mehr als 100€ zu kaufen. In diesem Fall bietet sich…

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