Aktien – Der Weg zur finanziellen Unabhängigkeit?

Verfasst von:

Christian

Letztes Update:

24.08.2022

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Das Wichtigste in Kürze

      • Mit Aktien kann man Anteile von Unternehmen erwerben. Dadurch wird man zum Anteilseigner bzw. Investor am Unternehmen und erhält einige Rechte zugesprochen.
      • Erträge aus Aktien erzielt man sowohl über die jährlichen Ausschüttungen der Unternehmen an ihre Anteilseigner (Dividende) als auch durch den Verkauf der Aktien zu einem höheren Kurswert.
      • Um Aktien handeln zu können, benötigt man zunächst ein Depot bei einem Broker oder einer Bank.
      • Finanzkennzahlen, Anlagestrategien und Empfehlungen von Börsenexperten unterstützen einen bei der Auswahl von lukrativen Aktien, um die eigenen Anlageziele zu realisieren.
      • Aktien bieten hohe Renditechancen, dafür aber auch ein gewisses Risiko. Der Kauf von einzelnen Aktien ist daher vor allem Anfängern nicht zu empfehlen.
      • Über Aktienfonds oder ETFs kann man in viele verschiedene Unternehmen gleichzeitig investieren und dadurch sein Risiko erheblich senken. Das macht sie zu einer hervorragenden Anlage sowohl für Anfänger als auch für Profis.

Was ist eine Aktie?

Eine Aktie ist ein Wertpapier, mit dem ein Anteil am Grundkapital eines Unternehmens erworben wird. Durch den Kauf von Aktien wird man zu einem Anteilseigner, beziehungsweise Investor, am Unternehmen. Der Wert einer Aktie ändert sich täglich und wird dabei maßgeblich von den Erfolgen des Unternehmens beeinflusst. Darüber hinaus üben die Erwartungen hinsichtlich der zukünftigen Entwicklung eines Unternehmens einen großen Einfluss auf dessen Aktienkurs aus.

Bei Unternehmen, die ihre Anteile öffentlich zugänglich machen wollen, handelt es sich in der Regel um Aktiengesellschaften oder Kommanditgesellschaften auf Aktien, die im Rahmen eines Börsengangs (IPO – Initial Public Offering) ihre Anteile verkaufen. Für das Unternehmen bietet sich dadurch die Möglichkeit, schnell an neues Kapital zu kommen, um neue Investitionen tätigen zu können.

Ein Börsengang unterstützt Unternehmen dabei, neue Kapitalreserven zu erhalten.

 

Die Käufer der Unternehmensanteile hingegen erhoffen sich mit ihrem Investment eine Rendite zu erzielen. In der Praxis gibt es zwei Möglichkeiten, wie man als Anteilseigner Erträge aus seinem Investment erhält:

Erstens, die Dividende, eine jährliche Zahlung (quartalsweise in den USA), bei der ein Teil des Unternehmensgewinns an die Anteilseigner ausgeschüttet wird. Auf der Aktionärsversammlung wird die Höhe der Dividende festgelegt. Unternehmen sind jedoch nicht dazu verpflichtet, eine Dividende zu zahlen. Daher entscheiden sich manche Unternehmen dazu, den Unternehmensgewinn nicht auszuschütten, sondern in ertragsreiche Projekte zu reinvestieren (Thesaurierung).

Die zweite Möglichkeit, um Erträge zu realisieren, besteht darin, seine erworbenen Aktien zu einem höheren Kurs zu verkaufen.

 

Welche Rechte habe ich als Aktionär?

Mit dem Kauf einer Aktie werden dem Aktionär verschiedene Rechte zugesprochen:

  • Recht auf Teilnahme an der jährlichen Hauptversammlung
  • Rederecht auf der Hauptversammlung
  • Stimmrecht auf der Hauptversammlung bei Fragen der Gewinnverwendung oder Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat
  • Auskunftsrecht durch den Vorstand (Informationen zu allen relevanten Vorgängen)
  • Bezugsrecht (Erwerb neuer Aktien zum Vorzugspreis bei einer Kapitalerhöhung)
  • Recht auf anteiligen Liquidationserlös (bei Auflösung des Unternehmens)

 

Was für Arten von Aktien gibt es?

  • Stammaktien: Bei Stammaktien handelt es sich um die am häufigsten verbreitete Form der Aktie. Eigentümer von Stammaktien haben das Recht, an der jährlichen Hauptversammlung des Unternehmens teilzunehmen und bei Abstimmungen ihr Stimmrecht auszuüben.
  • Vorzugsaktien: Aktionäre mit Vorzugsaktien werden bei der Ausschüttung der Dividende bevorzugt, indem sie eine höhere Zahlung erhalten. Dafür verzichten sie jedoch auf sämtliche Mitspracherechte und haben dementsprechend auch kein Stimmrecht bei der jährlichen Hauptversammlung.
  • Namensaktien: Namensaktien kommen in der Praxis nur sehr selten vor. Bei Namensaktien ist dem Unternehmen der Name des Anteilseigners bekannt, da dieser ins Aktionärsregister eingetragen wird. Versucht der Aktionär seine Anteile zu verkaufen, erfährt das Unternehmen davon und muss in Ausnahmefällen dem Verkauf zunächst zustimmen.
  • Inhaberaktien: Inhaberaktien sind die gängige Form von Aktien. Dem Unternehmen sind die Namen der Anteilseigner nicht bekannt und die Aktien können problemlos über die Börse verkauft werden.
  • Nennwertaktien: Nennwertaktien lauten auf einen festen Geldbetrag, der die Höhe des Anteils am Grundkapital einer Aktiengesellschaft darstellt. Der Eigentumsanteil des einzelnen Investors ergibt sich dann als Summe der von ihm gehaltenen Nennwerte dividiert durch das Grundkapital der Gesellschaft. Besitzt ein Anleger beispielsweise 1000 Aktien mit einem Nennwert von einem Euro und hat die Gesellschaft ein nominales Grundkapital von einer Millionen Euro, ergibt sich ein rechnerischer Anteil von 0,1 Prozent. Dem Aktionär gehören dann 0,1 Prozent des Unternehmens.
  • Stückaktien: Stückaktien sind in Deutschland weiter verbreitet als Nennwertaktien. Sie repräsentieren einen bestimmten Anteil des in der Satzung festgelegten Grundkapitals. Dieser Anteil wird dabei nicht als Geldbetrag, sondern als Stückbeteiligung ausgewiesen. Bei einem Grundkapital von einer Million Euro und einer Million verfügbaren Aktien beträgt der Wert pro Stück 0,0001%. Auch hier hätte der Aktionär mit 1000 Aktien insgesamt einen Anteil von 1000* 0,0001% = 0,1%. Wirtschaftlich ergeben sich bei gleicher Ausgestaltung keine Unterschiede zwischen einer Nennwert- oder Stückaktie.

 

Wie läuft der Handel mit Aktien ab?

Um mit Aktien handeln zu können, benötigt man zunächst ein Depot bei einer Bank oder einem Broker. Anschließend kann man entweder über den Namen des Unternehmens, die deutsche Wertpapierkennnummer (WKN) oder die internationale Wertpapierkennnummer (ISIN) nach den Aktien der ausgewählten Unternehmen suchen und einen Kaufauftrag platzieren (Order).

Es gibt dabei verschiedene Ordertypen, abhängig davon, wie der Kauf ausgeführt werden kann. Bevor man eine Kauforder platziert, sollte man jedoch zunächst über die ausgewählten Unternehmen recherchieren und sich gegebenenfalls für eine Anlagestrategie entscheiden, mit der die individuellen Anlageziele erreicht werden können.

Um eine Prognose zur künftigen Entwicklung eines Unternehmens aufstellen zu können, werden in der Praxis verschiedene Finanzkennzahlen des Unternehmens betrachtet. Des Weiteren lohnt es sich, vor dem Kauf von Aktien die Einschätzung von Börsenexperten und Analysten zu Rate zu ziehen. Diese betrachten nicht den aktuellen Marktwert der Aktie, sondern versuchen einen „fairen“ Wert des Unternehmens zu bestimmen, der den tatsächlichen Buchwerten näher kommt. Anschließend geben sie eine Empfehlung darüber ab, ob man Aktien des Unternehmens kaufen, halten oder verkaufen sollte. Die Prognosen der Experten lassen sich auf Finanzportalen wie beispielsweise onvista.de im Bereich „Analyzer“ einsehen.

Experteneinstufungen vermitteln euch ein Bild darüber, wie sich eine Aktie in der Zukunft entwickeln könnte.

 

Hat man seinen Kaufauftrag platziert, werden über digitale Orderbücher von elektronischen Handelssystemen (zum Beispiel Xetra) die aufgegebenen Kaufs- und Verkaufsangebote für die Aktie miteinander verglichen. Anschließend wird der Preis ermittelt, zu dem die meisten Aufträge ausgeführt werden können. Dieser ermittelte Preis bildet den Aktienkurs des Unternehmens ab.

Gerade für Anfänger ist es ratsam, zunächst nur während der Handelszeiten von Referenzbörsen wie Xetra Kaufs- und Verkaufsaufträge zu platzieren. Der Handel über Xetra ist von Montag bis Freitag von 9:00 bis 17:30 möglich. Der sogenannte OTC-Handel (Over the Counter – „Über den Tresen“) ist auch außerhalb der regulären Öffnungszeiten möglich. Hier findet der Handel direkt zwischen Käufer und Verkäufer statt. Der Nachteil ist jedoch, dass der Handel keiner Börsenaufsicht unterliegt und die Kurse der angebotenen Finanztitel sich nicht an den Kursen der Referenzbörsen orientieren müssen. Es kann also sein, dass der Handel dadurch erheblich teurer wird und nicht mehr den üblichen Marktpreisen entspricht.

 

Welche Risiken gehe ich beim Kauf von Aktien ein?

Es ist wichtig zu verstehen, dass beim Handel mit Aktien immer auch ein hohes Verlustrisiko besteht. Kommt es zu einer Insolvenz des Unternehmens, geht der Wert der erworbenen Aktien gegen null. Außerdem können auch Unternehmen mit guten Zukunftsaussichten Opfer von bestimmten Umweltrisiken werden, auf die sie keinen Einfluss haben. So erlitt beispielsweise die gesamte Tourismusbranche aufgrund der Corona-Pandemie hohe Verluste.

Aktienkurse werden zudem in hohem Maße von Erwartungen beeinflusst. Kommen Gerüchte über etwaige Probleme beim Unternehmen auf, sinkt häufig der Aktienkurs unabhängig davon, wie stichhaltig diese Gerüchte sind. Außerdem spielt die Psychologie eine große Rolle bei dem Verlauf von Aktienkursen. Fällt der Aktienkurs eines Unternehmens, setzen häufig Panikverkäufe ein, die diesen weiter einbrechen lassen.

Das Verlustrisiko kann durch Techniken wie Anlagestrategien, der Analyse von Finanzkennzahlen oder den Prognosen von Börsenexperten zwar reduziert, aber nie ganz vermieden werden. Daher würden wir die Geldanlage in einzelne Aktien nicht für Anleger empfehlen, die noch keine oder nur wenig Erfahrung mit den Finanzmärkten und der Geldanlage gemacht haben.

Diese Anleger können jedoch über Fonds oder ETFs trotzdem in Aktien investieren und gleichzeitig ihr Verlustrisiko begrenzen. Dadurch, dass Fonds und ETFs in eine Vielzahl von Aktien und andere Wertpapiere investieren, deren Renditen unterschiedlich verlaufen, wird es deutlich unwahrscheinlicher, dass alle Unternehmen gleichzeitig Verluste erleiden oder es zu einem Totalausfall kommt. Dieses Verlagern des Risikos auf eine Vielzahl unkorrelierter Wertpapiere wird auch als Diversifikation bezeichnet.

Investiert ihr euer Vermögen in verschiedene Geldanlagen, könnt ihr dadurch euer Verlustrisiko senken.

 

Welche Vor- und Nachteile bietet die Geldanlage in Aktien?

Vorteile:

  • Hohe Renditechancen, insbesondere bei einem langfristigen Anlagehorizont. Kaufte man beispielsweise vor 10 Jahren Aktien von Google, Microsoft oder Apple, erzielte man bisher Kursgewinne von über 1000%. Aufgrund des derzeit niedrigen Zinsumfelds lassen sich derart hohe Renditen mit Sparanlagen nicht mal annähernd erzielen. Aktien sind daher sehr gut für die langfristige Geldanlage, zum Beispiel im Rahmen der Altersvorsorge, geeignet.
  • Über die jährlichen Dividenden kann man Erträge aus seinen Aktien erzielen, ohne diese verkaufen zu müssen. Gerade bei einer Dividendenstrategie lassen sich so bereits Ausschüttungen von circa 5% im Jahr erzielen, ohne dass mögliche Kursgewinne eingerechnet wurden.
  • Als Aktionär hat man gewisse Rechte und kann verschiedene Entscheidungen des Unternehmens in kleinen Maßen mitbestimmen. Auch wenn der Einfluss von Kleinaktionären begrenzt ist, werden diese dennoch zur jährlichen Hauptversammlung eingeladen, haben die Möglichkeit, den Vorstand zur Strategie des Unternehmens zu befragen und können ihr Stimmrecht bei der Frage der Gewinnverwendung geltend machen.
  • Es gibt eine große Auswahl an Unternehmen, deren Aktien erworben werden können. Liegt der eigene Fokus beispielsweise auf Nachhaltigkeit, kann man ausschließlich in Unternehmen investieren, die in speziellen Nachhaltigkeitsindizes gelistet sind. Zudem sind Aktiengesellschaften in ihren verschiedenen Formen und Ausprägungen auf der ganzen Welt vertreten. So kann das eigene Aktienportfolio mit verschiedenen internationalen Unternehmen erstellt werden.
  • Aktien sind äußerst liquide. Das bedeutet, dass man sie in Notfällen schnell veräußern und zu Bargeld machen kann. Dabei besteht jedoch das Risiko, dass man die Aktien zu einem ungünstigen Zeitpunkt veräußert und eventuelle Verluste realisieren muss.

Nachteile:

  • Beim Aktienhandel geht man ein hohes Risiko ein. Gerade bei einem kurzen Anlagehorizont können bei Aktien Verluste eintreten. Aktienkurse unterliegen einer konstanten Schwankung, die auch als Volatilität bezeichnet wird. Je höher die Volatilität, also je größer die Ausschläge der Aktie nach oben und unten ausfallen, desto höher ist auch das Risiko der Aktie. Daher sollten Anfänger im Umgang mit volatilen Aktien Vorsicht walten lassen oder diese vorerst meiden. Je länger man seine erworbenen Aktien hält, ohne diese zu verkaufen, desto geringer fällt der Einfluss der Volatilität aus. Bei einem Investment über 10 Jahre ist ein Verlust im ersten Jahr weniger relevant, solange die Aktie in den restlichen 9 Jahren steigt. Bei einem Ausstieg nach einem Jahr hätte sich das Investment in diesem Fall nicht gelohnt. Wir empfehlen daher, ausschließlich Geld anzulegen, dass gerade nicht für andere Zwecke benötigt wird und auf das man im Zweifel verzichten kann. Es lohnt sich jedoch so früh wie möglich mit der Geldanlage anzufangen, um einerseits von den hohen Renditechancen zu profitieren und andererseits den Einfluss von Schwankungen gering zu halten.
  • Im Gegensatz zu bestimmten Spar- und Termineinlagen besteht bei Aktien keine Einlagensicherung. Bei Insolvenz des Unternehmens ist es also möglich, seine gesamte Investition zu verlieren.
  • Erträge aus Kursgewinnen werden in Deutschland besteuert. Neben der Abgeltungssteuer fallen in Deutschland ebenfalls die Kirchensteuer und der Solidaritätszuschlag an. Es ist jedoch möglich, Gewinne aus Aktien mit Verlusten aus Aktien zu verrechnen, um so den zu versteuernden Betrag zu senken.

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