Aktienauswahl – Mit 8 Tipps zur passenden Aktie

Verfasst von:

Christian

Letztes Update:

15.08.2022

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Um langfristig das eigene Vermögen aufzubauen, führt früher oder später kein Weg an der Aktie vorbei. Während klassische Sparanlagen oder Lebensversicherungen bereits seit vielen Jahren unter dem Niedrigzinsumfeld leiden, zahlen Unternehmen weiterhin hohe Dividenden und weisen konstante Kursgewinne auf.

Wenn ihr eine jährliche Verzinsung eures eingesetzten Kapitals anstrebt, die oberhalb der Inflationsrate liegt, bieten euch Aktien hierfür eine lukrative Möglichkeit. Entweder in Form von Fonds oder ETFs, die in eine Vielzahl von Unternehmen investieren, um das Risiko zu streuen, oder durch den Erwerb von einzelnen Aktien.

Geht ihr nämlich selbst auf die Suche nach passenden Aktien, spart ihr nicht nur Verwaltungsgebühren und andere Kosten, sondern habt auch höhere Renditechancen. Ein Investment in Einzeltitel weist dafür aber auch ein höheres Risiko auf als eine vergleichbare Geldanlage in einen Fonds oder ETF. Der Erwerb einzelner Aktien lohnt sich vor allem, wenn ihr eine langfristige Anlagestrategie wie beispielsweise die Buy-and-Hold-Strategie verfolgt. Bei dieser Methode fallen kurzfristige Schwankungen eurer Aktien weniger ins Gewicht.

 

Kriterien bei der Aktienauswahl

Welche Aktien für euch infrage kommen, hängt stark davon ab, welche Anlagestrategie ihr verfolgt. Die Auswahl an Aktien ist riesig: Weltweit gibt es inzwischen mehr als 35.000 Aktiengesellschaften, die euch eine Beteiligung an ihrem Unternehmen anbieten. Dennoch gibt es einige allgemeine Hinweise, die euch dabei unterstützen, diese Auswahl sinnvoll einzuschränken:

 

1. Das Eigenkapital als wichtiger Faktor

Je mehr Eigenkapital ein Unternehmen hat, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine künftige Krise überstanden werden kann. Unternehmen, die eine niedrige Verschuldung aufweisen, haben höhere finanzielle Rücklagen, um schwere Zeiten besser durchzustehen.

Das Eigenkapital als absoluter Wert ist jedoch nur bedingt aussagekräftig. Ihr solltet euch vor allem die Eigenkapitalquote des Unternehmens genauer anschauen. Diese drückt das Verhältnis vom Eigenkapital zum Gesamtkapital des Unternehmens aus. Je nach Branche gelten andere Richtlinien für die Eigenkapitalquote. Als Faustregel gilt jedoch: Unternehmen, die sich zu mindestens einem Drittel aus eigenen Mitteln finanzieren, sind weniger hart von Umweltkrisen betroffen, da genug Rücklagen für die nötigen Gegenmaßnahmen vorhanden sind.

 

2. Historische Dividenden

Eine valide Strategie bei der Aktienauswahl ist es, die historischen Dividendenausschüttungen zu Rate zu ziehen. Unternehmen, die in der Vergangenheit konstant hohe Dividenden ausgeschüttet haben, werden dies nach Möglichkeit auch in der Zukunft versuchen. Spannend ist auch, wie hoch die Dividende in Krisenjahren ausgefallen ist.

Macht aber nicht den Fehler, die Höhe der ausgeschütteten Dividenden verschiedener Unternehmen direkt miteinander zu vergleichen. Um eine Vergleichbarkeit herzustellen, benötigt ihr die Dividendenrendite, also die Relation von der letzten gezahlten Dividende zum aktuellen Kurs der Aktie. Dieser Prozentwert, der die Verzinsung der Aktie angibt, zeigt euch, welches Unternehmen relativ gesehen die höchste Dividende zahlt.

Die historische ausgeschüttete Dividende, sowie erwartete Dividende der Volkswagen Aktie.

 

3. Historische Kursentwicklung

Die ausgeschüttete Dividende eines Unternehmens kann noch so hoch sein, weist die Aktie über die letzten Jahre einen negativen Kurstrend auf, macht ihr im schlimmsten Fall sogar langfristig Verlust.

Ihr solltet euch daher immer die historische Kursentwicklung der Aktie ansehen. Wenn ihr vorhabt, Aktien eines Unternehmens zu erwerben und diese 10 Jahre lang zu halten, solltet ihr mindestens die letzten 10 Jahre des Aktienkurses betrachten. Wie hoch ist die durchschnittliche Kursentwicklung der Aktie pro Jahr? Welche Volatilität weist die Aktie auf? Wie verhält sich die Aktie während einer Wirtschaftskrise? Dies sind alles wichtige Fragen, die ihr euch vor dem Kauf der Aktie stellen müsst.

Betrachtet den Aktienkurs dabei immer in Relation zu der Kursentwicklung von Unternehmen der gleichen Branche. Wie hat sich das betrachtete Unternehmen innerhalb der letzten 10 Jahre im Vergleich zur Konkurrenz entwickelt?

Kursverlauf und Wertentwicklung der Volkswagen Aktie. Deutlich zu erkennen sind die Kurseinstürze während der Finanzkrise 2008, dem Abgasskandal 2015 und zu Beginn der Corona-Pandemie im Frühjahr 2020.
 

4. Verständliches Geschäftsmodell

Starinvestor Warren Buffett investiert nur in Unternehmen, deren Geschäftsmodell er auch versteht. Mit dieser Strategie war er über mehrere Jahrzehnte hinweg sehr erfolgreich. Bei der Aktienauswahl solltet ihr darauf achten, keine Anteile von Unternehmen zu erwerben, deren Chancen und Risiken ihr nicht einschätzen könnt. Im schlimmsten Fall verpasst ihr nämlich den besten Zeitpunkt, um entweder weitere Aktien zuzukaufen oder eure Anteile loszuwerden, da ihr nicht wisst, wie sich verschiedene Umweltkrisen auf das Geschäft auswirken.

 

5. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis als erster Ansatzpunkt

Um einen ersten Überblick darüber zu bekommen, ob die Aktie eines ausgewählten Unternehmens derzeit besonders günstig oder teuer ist, lohnt sich der Blick auf das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV). Dabei handelt es sich um eine zentrale betriebswirtschaftliche Kennzahl, die in der Aktienbewertung und Aktienanalyse zum Einsatz kommt. Hierbei wird der aktuelle Börsenkurs ins Verhältnis zum Gewinn pro Aktie gesetzt. Die Kennzahl drückt also aus, wie viele Jahre das Unternehmen bei konstanten Gewinnen braucht, um seinen derzeitigen Börsenwert zu verdienen.

Dazu ein Beispiel: Ein Unternehmen, das 100 Aktien ausgegeben hat, die an der Börse derzeit 10€ kosten, hätte einen Marktwert von 1000€. Hat dieses Unternehmen im letzten Jahr einen Gewinn in Höhe von 50€ erzielt, würde das KGV 20 (1000/50) betragen. Wenn das Unternehmen in den folgenden Jahren gleichbleibende Gewinne vorweist, hätte es also nach exakt 20 Jahren seinen eigenen Börsenwert erwirtschaftet.

Als Richtwert wird häufig ein KGV von 15 genannt. Liegt das KGV des Unternehmens über 15, ist es vergleichsweise teuer, liegt es darunter, ist es vergleichsweise günstig am Markt bewertet. Das KGV sollte jedoch nie als einziges und ausschlaggebendes Kriterium herangezogen werden. Auch Aktien, die derzeit teuer sind, können langfristig höhere Gewinne einbringen als solche, die momentan günstig zu haben sind.

Das KGV ist außerdem immer abhängig von der Branche und dem Geschäftsmodell des Unternehmens. Junge Unternehmen, die an neuen Technologien arbeiten, werden selten in den ersten Jahren bereits einen Gewinn in ihren Büchern ausweisen können. Hier liegt das KGV dementsprechend immer automatisch über dem Richtwert, was jedoch nicht bedeuten muss, dass sich die Aktie nicht bezahlt machen wird. Ihr könnt das KGV als Kriterium verwenden, wenn ihr den Preis von zwei Unternehmen miteinander vergleichen wollt, die ein ähnliches Geschäftsmodell haben und vergleichbaren Chancen und Risiken ausgesetzt sind.

Das KGV dient als erster Ansatzpunkt bei der Aktienbewertung. Ein Vergleich verschiedener Unternehmen ist nur bei identischen Rahmenbedingungen möglich.

 

6. Kriterien für risikoarme und risikobehaftete Aktien

Ihr wollt in ein Unternehmen investieren, das langfristig einen moderaten und stabilen Kursgewinn vorweisen wird und zudem nur geringen Schwankungen unterliegt? Dann richtet euren Fokus auf große Unternehmen, die Güter des täglichen Bedarfs herstellen, Niederlassungen auf der ganzen Welt haben, bereits lange tätig sind, hohe Cashflows generieren und durch ihre Marke eine gewisse Preissetzungsmacht haben.

Wenn ihr hingegen bereit seid, mehr Risiken einzugehen, um potenziell höhere Gewinne zu erzielen, solltet ihr euch auf junge und kleine bis mittelständische Unternehmen oder Startups konzentrieren, die in zukunftssicheren Branchen tätig sind.

 

7. Analystenbewertungen

Bei der Aktienauswahl solltet ihr bei eurer Entscheidung auch die Einschätzung von Finanzanalysten berücksichtigen. Zu den meisten Aktien gibt es Prognosen, wie sich diese wahrscheinlich in der Zukunft entwickeln werden. Auf Börsenseiten wie Onvista, findet ihr im Analyzer-Bereich der Aktie, was euch die Experten derzeit raten würden: „Kaufen“, „Halten“ oder „Verkaufen“. Das sogenannte Kursziel einer Aktie gibt euch eine Prognose darüber, welchen Aktienkurs Marktbeobachter und Wertpapieranalysten in Zukunft erwarten.

Doch auch Experten können sich irren. Niemand kann die Entwicklung eines Wertpapiers zu 100% vorhersagen. Deswegen solltet ihr derartigen Einschätzungen immer mit einer gesunden Skepsis gegenüberstehen.

Experteneinstufungen vermitteln euch ein Bild darüber, wie sich eine Aktie in der Zukunft entwickeln könnte.

 

8. Weniger ist mehr

Bei der Aktienauswahl solltet ihr nicht den Fehler begehen, euch euren eigenen kleinen Fonds aufzubauen, indem ihr in Hunderte Einzeltitel investiert. Beschränkt euch zu Beginn auf maximal 5 Aktien. Es hat seinen Grund, dass Fondsmanager den ganzen Tag daran arbeiten, den Markt zu beobachten und Entscheidungen zu treffen, welche Wertpapiere sie abstoßen und welche sie dazukaufen.

Wenn ihr in einzelne Aktien investiert, geht ihr automatisch ein größeres Risiko ein, als wenn ihr Anteile an einem Fonds oder ETF erwerbt. Dieses Risiko könnt ihr senken, indem ihr in Aktien investiert, deren Kursentwicklungen unabhängig voneinander verlaufen, die in verschiedenen Branchen tätig sind oder die in verschiedenen Ländern ansässig sind. Durch eine gesunde Streuung vermeidet ihr mögliche Totalverluste eures Vermögens.

 

Fazit Aktienauswahl

Bevor ihr euch an die Auswahl von Einzeltiteln macht, solltet ihr euch über eure Anlagestrategie im Klaren sein. Dadurch erfolgt bereits die erste grobe Einschränkung der infrage kommenden Aktien.

Orientiert euch anschließend an Merkmalen wie der historischen Kursentwicklung und Dividendenausschüttung, der Eigenkapitalquote und dem KGV, sowie den Einschätzungen der Analysten und dem festgelegten Kursziel der Aktie. Darüber hinaus ist es wichtig zu verstehen, in was genau ihr euer Geld investiert. Macht euch mit dem Geschäftsmodell des Unternehmens vertraut, um grob abschätzen zu können, welchen Chancen und Risiken das Unternehmen ausgesetzt ist.

Zum Schluss sollte eure Auswahl aus Aktien von Unternehmen aus verschiedenen Branchen oder Ländern bestehen, um das Gesamtrisiko zu reduzieren. Beschränkt euch als Anfänger zunächst auf maximal 5 Aktien. Sobald ihr genügend Erfahrung gesammelt habt, könnt ihr euer Portfolio weiter ausbauen.

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Finanzdenker Quiz - Aktienauswahl

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Große Unternehmen, die bereits lange Zeit international tätig sind, eine etablierte Marke besitzen und hohe Cashflows generieren…

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